Freitag und Samstag letzter Woche war Erfurt im Ausnahmezustand. Nicht wegen eines Festivals, sondern weil die AfD ihren Bundesparteitag abgehalten hat. Dagegen sind über 30.000 Menschen auf die Straße gegangen – die Veranstalter sprechen sogar von fast 50.000. Viele davon waren unter 25. Du hast vielleicht die Videos von den Blockaden und den bunten Transparenten gesehen.
Warum so viele junge Menschen plötzlich politisch werden
Die Stimmung war laut, aber größtenteils friedlich. DGB, Linke, Fridays for Future und unzählige lokale Bündnisse haben zusammen mobilisiert. Viele von euch waren dabei, weil sie keine Lust haben, dass Rechtsextremismus wieder normal wird. Besonders queere Jugendliche und Leute mit Migrationshintergrund spüren die AfD-Rhetorik am eigenen Leib – Ausgrenzung ist kein abstraktes Thema mehr, wenn man selbst gemeint ist.
Die AfD hat auf dem Parteitag ihre Führung bestätigt und in manchen ostdeutschen Umfragen liegt sie vorn. Gleichzeitig zeigen die Massenproteste: Es gibt eine Gegenbewegung. Das ist kein lauter Minderheitenschrei, das ist ein ziemlich breiter Teil der Bevölkerung, der sagt: Nicht mit uns.

Merz spricht heute im Bundestag – was das für euch bedeutet
Genau heute hält Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) seine große Regierungserklärung. Nach der schwarz-roten Koalition seit den Wahlen 2025 will er „Deutschland erneuern“. Auf dem Zettel stehen Wirtschaftsreformen, Verwaltungs-Digitalisierung, der nächste NATO-Gipfel und wie Deutschland in Europa mitspielt.
Für euch relevant: In solchen Reden fallen die Weichen für Ausbildungsförderung, bezahlbaren Wohnraum, Klimaschutz und mentale Gesundheitsangebote an Schulen. Wenn Merz von „Sicherheit“ spricht, meint er auch, wie Europa mit Desinformation und Rechtspopulismus umgeht. Live im Stream gucken lohnt sich – oder zumindest die Zusammenfassungen danach.
Social Media ab 13? Die neue Debatte um eure Feeds
Parallel läuft eine andere Diskussion, die euch noch direkter betrifft: Eine Expertenkommission der Bundesregierung hat im Juni empfohlen, Social Media für unter 13-Jährige stark einzuschränken oder zu verbieten. Familienministerin Karin Prien (CDU) findet eine harte 13-Jahre-Grenze gut. Altersverifikation, gestaffelte Regeln bis 18 und mehr Verantwortung für Plattformen wie TikTok, Insta und Co.
Der Grund: Studien zeigen steigende Angststörungen, Schlafprobleme, Suchtverhalten und dass Desinformation besonders junge Gehirne leicht manipulieren kann. Australien und andere Länder machen ähnliche Schritte. Gleichzeitig fragen sich viele von euch: Wollen wir wirklich, dass der Staat unsere Accounts kontrolliert? Jugendschutz ja – aber ohne Bevormundung.
Warum diese drei Sachen zusammenhängen
Auf den ersten Blick sehen Proteste gegen die AfD, eine Regierungserklärung und Social-Media-Regeln aus wie drei verschiedene Baustellen. Sind sie aber nicht. Es geht immer um die Frage: Wer bestimmt, wie unsere Gesellschaft in den nächsten zehn Jahren aussieht?
- Wie viel Raum bekommen rechte Ideen in Parlamenten und auf euren Timelines?
- Wie stark mischt sich der Staat in euer digitales Leben ein?
- Und entscheiden genug junge Menschen mit, statt nur abzuwarten?
Die 30.000 in Erfurt zeigen, dass viele nicht mehr zuschauen wollen. Die Debatte um Social Media zeigt, dass Politik endlich kapiert hat, dass eure mentale Gesundheit kein Randthema ist. Und Merz’ Rede heute zeigt, in welche Richtung die aktuelle Regierung steuert.
Du musst nicht jeden Freitag auf die Straße gehen oder jeden Livestream gucken. Aber zu verstehen, wie diese Sachen zusammenhängen, ist der erste Schritt, damit die Zukunft nicht einfach über dich hinwegrollt. Stay informed, stay loud – auf deine Art.
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