Gerade wenn du nächstes Semester startest oder schon mitten im Studium steckst, solltest du das hier mitkriegen. Die große BAföG-Reform für 2026/27 hängt am seidenen Faden. Im Juni haben Grüne und Linke mehrere Anträge im Bundestag durchgebracht – nur um sie dann doch wieder abgelehnt zu sehen. Jetzt liegt die Novelle beim Kabinett und Forschungsministerin Dorothea Bär (CDU) hat öffentlich Zweifel geäußert. Die SPD ist angepisst. Klassischer Koalitionskrach.
Was sollte eigentlich besser werden?
Die Reform sieht vor, die Wohnpauschale von 380 auf 440 Euro zu erhöhen. Der Grundbedarf soll schrittweise steigen, ab Wintersemester 2026/27. Dazu kommt eine Studienstarthilfe von 1.000 Euro für bestimmte Gruppen – vor allem für die, deren Eltern wenig verdienen. Klingt erstmal solide. Nur: ver.di, der freie zusammenschluss von student*innenschaften und mehrere Uni-Studien sagen seit Monaten dasselbe: Das aktuelle BAföG reicht hinten und vorne nicht. Miete, Essen, Semesterticket, Handy – die reale Lebenshaltungskosten liegen deutlich höher. Viele Studierende jobben nebenbei bis zum Umfallen oder lassen sich von den Eltern finanzieren. Bildung vom Geldbeutel der Eltern abhängig zu machen, war eigentlich genau das, was BAföG verhindern sollte.

Warum die Reform gerade jetzt wackelt
Der Streit dreht sich nicht nur ums Geld, sondern auch ums Prinzip. Die Union will die Reform „maßvoll“ halten und verweist auf den Haushalt. SPD und Grüne fordern eine echte Trendwende: weniger Bürokratie, einfachere Anträge, automatische Anpassung an Inflation. Aktuell müssen Studierende jedes Jahr wieder Berge von Formularen ausfüllen, Nachweise der Eltern mitschicken und warten – oft bis weit ins Semester rein. Viele geben einfach auf. Laut aktuellen Zahlen beziehen nur rund 15 Prozent der Studierenden BAföG, obwohl Schätzungen sagen, dass eigentlich über 40 Prozent Anspruch hätten.
Was junge Menschen wirklich brauchen
- Entbürokratisierung: Online-Antrag, weniger Papierkram, automatische Datenübernahme vom Finanzamt
- Regelmäßige Anpassung: BAföG muss automatisch mit den Lebenshaltungskosten steigen
- Breitere Reichweite: Nicht nur für „klassische“ Studierende, sondern auch für dual Studierende und Azubis in höheren Semestern
- Studienstarthilfe: Die 1.000 Euro wären besonders für erste Generation Studierende ein Gamechanger
Und jetzt?
Ende Juli soll die Novelle eigentlich ins Kabinett. Ob sie kommt, hängt vom Koalitionsfrieden ab. Wenn nichts passiert, bleibt alles beim Alten – und das heißt für viele von euch: weiter jobben bis zur Erschöpfung oder das Studium abbrechen. Die Studierendenverbände planen bereits neue Proteste und Petitionen. Gleichzeitig laufen die Vorbereitungen für die Landtagswahlen im Herbst. Dort wird auch über Bildungspolitik entschieden.
Falls du BAföG beziehst: Schau dir jetzt schon die aktuellen Rechner auf der offiziellen Seite an und rechne durch, wie viel dir eigentlich zusteht. Und wenn du noch nicht drin bist, lohnt es sich trotzdem, einen Antrag zu stellen – auch wenn das System nervt. Je mehr Leute das machen, desto stärker wird der Druck auf die Politik.
Das Thema geht uns alle an. Bildung darf nicht vom Kontostand der Eltern abhängen. Punkt. Bleibt dran, wir halten euch auf dem Laufenden, sobald sich im Bundestag etwas tut.
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